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Sicherheit auf dem Rad – Pflicht und Kür

„Ich würde ja mit dem Fahrrad fahren aber das ist mir zu gefährlich!“ Diese und ähnliche Aussagen bekommt man in Gesprächen über die Mobilität in Berlin häufig zu hören. Doch stimmt das eigentlich? Ist der Arbeitsweg im Auto oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln weniger gefährlich? Und was kann man tun, um die eigene Sicherheit als Radfahrer zu erhöhen? 

Dieser Blogeintrag soll Ihnen Antworten auf diese Fragen geben und vielleicht das ein oder andere Argument für Ihre nächste Diskussion mit einem Kfz-Fanatiker liefern…

Fakten und Zahlen

Laut Unfallstatistik der Berliner Polizei kam es im Jahr 2018 zu insgesamt 144.325 registrierten Verkehrsunfällen. Bei 7.971 davon gab es eine Radfahrerbeteiligung, was einem Anteil von 5,5% entspricht. Pkw, Lkw und Busse waren in ca. 87% der Verkehrsunfälle im Jahr 2018 beteiligt.

Insgesamt kam es bei den Fahrradunfällen zu 806 Schwerverletzten (10,1%) und 11 Toten (0,1%). Die Gesamtzahlen ergeben, dass Verkehrsunfälle mit Radfahrerbeteiligung zu 72,32% mit Personenschäden enden. 

Im Vergleich: Fußgänger waren in 2.625 der registrierten Verkehrsunfälle verwickelt, was einem Anteil von 1,8% entspricht. Das sind weniger Unfälle, als solche mit Radfahrerbeteiligung. Wenn man sich jedoch die Unfallfolgenstatistik genauer ansieht, erscheint auch das Fußgängerdasein alles andere als sicher. Insgesamt kam es zu 616 Schwerverletzten (23,5%) und 20 Toten (0,8%). Insgesamt ergibt sich, dass Verkehrsunfälle mit Fußgängerbeteiligung zu 92,80% mit Personenschäden enden. 

Was tun? An die Verkehrsregeln halten!

Um das persönliche Risiko als Radfahrer im Straßenverkehr drastisch zu senken, reicht es aus, sich schlicht und einfach an die Verkehrsregeln zu halten.

  • 1140 Unfälle waren ungenügendem Sicherheitsabstand aufgrund von „Durchschlängeln“ zwischen anderen Fahrzeugen geschuldet
  • 844 Unfälle passierten aufgrund der Nutzung der falschen Fahrbahn (Gehweg, Gegenrichtung) durch den/die Radfahrer/in
  • 716 Unfälle entstanden aufgrund eines Fehlers beim Einfahren mit dem Rad in den fließenden Verkehr
  • 365 Unfälle ergaben sich aufgrund nicht angepasster Radfahrgeschwindigkeit
  • 229 Unfälle hätten durch Beachtung einer roten Ampel vermieden werden können
  • 201 Unfälle sind auf Radfahren unter Alkoholeinfluss zurück zu führen

Durch das Vermeiden des oben genannten Verhaltens ließe sich die Zahl der Unfälle mit Radfahrerbeteiligung somit um knapp 44% senken.

Nicht zu vergessen: Die Fahrradausstattung

Zusätzlich zum eigenen Verhalten im Verkehr trägt auch ein regelmäßig gewartetes und entsprechend ausgerüstetes Fahrrad zur Sicherheit des/der Radfahrers/-fahrerin bei.

Vorgeschrieben sind laut der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO):

  • eine helltönende Klingel
  • zwei voneinander unabhängige Bremsen
  • zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale
  • Reflektoren an Vorder- und Rückseite jeder Pedale
  • weißer Frontscheinwerfer, rotes Rücklicht  mit Prüfzeichen des Kraftfahrt-Bundesamtes (dürfen abnehmbar sein, müssen tagsüber nicht mitgeführt werden)
  • Reflektorstreifen oder gelbe Speichenreflektoren (jew. 2 pro Rad)
  • weißer Reflektor vorne und roter Großrückstrahler hinten

Nicht verpflichtend aber dennoch empfehlenswert sind des Weiteren:

  • eine Standlichtanlage
  • ein Kettenschutz
  • ein stabiler Gepäckträger für den sicheren Transport von Taschen/Einkauf
  • Schutzbleche für die Laufräder
  • ein hochwertiger und vor allem passender Helm
  • im Dunkeln und an grauen Tagen verhilft eine Reflektorweste zu besserer Sichtbarkeit

Auf einem gut ausgestatteten Fahrrad und mit dem entsprechenden Verhalten (defensives Fahren! Der Klügere gibt nach…) bin ich inzwischen über 20 Jahre lang unfallfrei durch Berlin geradelt. Sicherlich gibt es Strecken durch Berlin die fahrradfreundlicher und andere, die fahrradunfreundlicher sind. Zum Glück ändert sich auf dieser Ebene zur Zeit einiges auf Berlins Straßen aber das ist einen eigenen Blockartikel wert!

Meine Empfehlung an fahrradscheue Mitmenschen: trauen Sie sich! Statten sie sich gut aus, bei fehlender Fahrpraxis üben Sie am Wochenende im Grünen und suchen sie sich vor längeren Fahrten in der Stadt eine fahrradfreundliche Route aus. Dann werden Sie sehen: Radfahren mach frei, flexibel und glücklich!

Interaktive Karte aller Unfälle in Berlin: https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/alle-unfaelle-berlins-auf-einer-karte/

Quelle: https://www.berlin.de/polizei/aufgaben/verkehrssicherheit/verkehrsunfallstatistik/